Kurztest. Citroën C-Crosser
Der rustikale Franzose
Von Friedhelm Holleczek & Petra Grünendahl
Bekanntlich trägt jeder Franzose grundsätzlich ein Baguette mit sich herum und hat eine Baskenmütze auf dem Kopf. Französische Autos sind so bequem wie rollende Sofas. Weg mit den Klischees: Franzosen essen inzwischen längst Burger mit Fritten, kaufen bei Ikea und fahren Autos, die Freiheit und Abenteuer vermitteln.
Mit dem C-Crosser kam Citroën erst 2007 auf den Markt, als die SUV- oder Crossover-Welle schon nicht mehr aufzuhalten war. Citroën präsentiert hier einen Offroader, der streng genommen ein Japaner mit französischem Pass ist. Statt diese Technologie selbst zu entwickeln, holte man sich Hilfe vom allrad-erfahrenen Mitbewerber Mitsubishi. Nach weniger als zwei Jahren war das Werk vollbracht – jedoch nur, weil man der Einfachheit halber den Outlander der zweiten Generation mit anderer Fahrwerksabstimmung und optischen Retuschen übernehmen konnte. Der Citroën C-Crosser wurde zusammen mit seinem Konzernbruder Peugeot 4007 entwickelt, alle drei Modelle werden bei Mitsubishi in Japan gefertigt.
Der Innenraum ist übersichtlich, wirkt wertig, kann aber die japanische Herkunft mit viel kratzempfindlichem Kunststoff trotzdem nicht verhehlen. Die serienmäßige Klimaautomatik kühlt zusätzlich zum Innenraum das obere der beiden Handschuhfächer. Das Lenkrad ist in der Höhe verstellbar, aber nicht im Abstand zum Fahrer. Der Schalter für die Sitzheizung (Serie in der teureren Version Exclusive) ist nur mit Verrenkungen zu erreichen und nicht einzusehen.
Familiale hießen früher französische Kombis mit sieben Plätzen. An die Tradition schließt nun der C-Crosser mit einer dritten Sitzreihe an. Sie ist im Kofferraumboden versteckt, nur fummelig aufzuklappen, reicht wirklich lediglich für Kinder. Aber sie ist immerhin schon in der Basisausstattung vorhanden. Die zweite Sitzreihe ist asymmetrisch geteilt umklappbar und lässt sich um 16 Zentimeter verschieben. Die Lehnen sind in ihrer Neigung verstellbar. Da ist er dann wieder: der französische Komfort mit viel Beinfreiheit.
Der Kofferraum schwankt je nach Anzahl der benutzten Sitze zwischen 184 (bei voller Bestuhlung) und 1.686 Litern (bis hinter die Vordersitze) und ist damit ganz ordentlich bemessen. Befestigungsösen erleichtern das Sichern der Ladung. Bequem fürs Beladen: die Heckklappe ist horizontal geteilt. Unten kann man beim Picknick drauf sitzen, aber größere Menschen stoßen sich oben wohlmöglich beim Aufstehen den Kopf. An Übersichtlichkeit ist die Karosserie kein Musterbeispiel, die serienmäßige Einparkhilfe hinten in der höheren Ausstattungslinie eine gute Empfehlung.
Es gibt zwei Ausstattungsvarianten: Tendance und Exclusive. Schon die Basisversion Tendance ist serienmäßig ausgestattet mit den kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens wie einer funkfernbedienten Zentralverriegelung, elektrischen Fensterhebern rundum, elektrisch einstellbaren, beheizbaren und anklappbaren Außenspiegeln, CD-Radio, Klimaautomatik, Geschwindigkeitsregelung, Nebelscheinwerfern und 16-Zoll-Leichtmetallrädern. Die Top-Ausstattung Exclusive verfügt zusätzlich über einen elektrisch einstellbaren Fahrersitz, Sitzheizung vorne, Lederausstattung, eine Einparkhilfe hinten und 18-Zoll-Leichtmetallräder. An aufpreispflichtigen Extras stehen u. a. höherwertige Soundsysteme, Navigationssysteme, eine Freisprecheinrichtung sowie eine Einparkhilfe für vorne und hinten zur Wahl.
Mit dem C-Crosser kann man nicht nur über den Boulevard rollen, sondern ebenso offroad unterwegs sein. Für wirklich schweres Gelände allerdings ist die Bodenfreiheit mit 174 Millimetern knapp bemessen. Der Allradantrieb ist zuschaltbar und mit der Betriebsart Lock lässt sich bis zum 1,5-fachen Drehmoment an die Hinterräder leiten als im Allrad-Betrieb, was besonders bei reduzierter Bodenhaftung zu empfehlen ist. Im Gelände wackelt es erwartungsgemäß, aber nicht typisch französisch – d. h. es schaukelt nicht wie eine Sänfte. Auf welliger Fahrbahn vermisst man eine komfortable Federung – trotz bequemer Sitze, die guten Seitenhalt bieten. Zügig gefahrene Kurven quittiert der C-Crosser, besonders bei Frontantrieb und abgeschaltetem ESP, mit der Neigung zum Untersteuern. Unsicher fühlt man sich dabei aber nicht.
Der Insassensicherheit dienen eine hochfeste Karosseriestruktur, Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen Sitzplätzen, Front- und Seitenairbags vorne, Kopfairbags für die beiden vorderen Sitzreihen und Isofix-Kindersitzbefestigungen in der zweiten Sitzreihe. Weder der Citroën C-Crosser noch der Peugeot 4007 wurden bislang einem Crashtest nach EuroNCAP unterzogen. Mit ABS, ESP und der Antriebsschlupfregelung ASR sind die gängigen Fahrassistenten schon in der Basisversion mit an Bord. Für den Pannenfall ist ein Notrad serienmäßig unterm Fahrzeugboden verstaut.
Der Gangwechsel erfolgt über ein Sechsgang-Getriebe mit ziemlich langen Schaltwegen. Der 2,2-Liter-Common-Rail-Diesel mit seinem maximalen Drehmoment von 380 Nm sorgt für ordentlichen Schub. Für die Beschleunigung auf 100 km/h braucht er 9,9 Sekunden, bei Tempo 200 erreicht er seine Höchstgeschwindigkeit. Den Verbrauch gibt Citroën für die Exclusive-Ausstattung (und 18-Zöllern) mit 9,6 Litern Dieselkraftstoff je 100 km im Stadtverkehr, 6 Litern außerorts sowie 7,3 Litern im gemischten Verbrauch nach EU-Norm an. In der Basisausstattung mit 16-Zoll-Rädern liegen die Werte jeweils 0,1 Liter darunter. Mit serienmäßigem Dieselpartikelfilter ausgestattet, belastet er die Umwelt mit für diese Klasse freundlichen 191 g CO2 pro Kilometer. Ein 2,4-Liter-Benziner, der aus dem Teileregal von Mitsubishi stammt, rundet die Motorenpalette ab. Er leistet 170 PS und ist wahlweise mit Fünfgang-Schaltung oder stufenlosem Automatik-Getriebe zu haben.
Mit dem C-Crosser haben unsere Nachbarn ein Auto, mit dem sie „en vogue“ sind. Modisch zu sein, nicht unbedingt vernünftig, ist das Credo dieser Art von Geländewagen. Wem das alles nicht französisch genug ist, kann ja mit Baguette und Baskenmütze nachbessern.
Zur Wahl stehen der 155 PS starke Diesel ab 34.350 Euro und ein 170 PS starker Benziner ab 31.750 Euro. Nach Ablauf der zweijährigen gesetzlichen Gewährleistung bietet Citroën gegen Aufpreis eine Anschlussgarantie für bis zu weitere drei Jahre und max. 140.000 km. Die Versicherungen stufen das Modell in die Klassen 21 / 24 / 23 (KH/VK/TK) ein.
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Über Petra Grünendahl
Erfahrener Journalist mit einem Gespür für Themen, Geschichten und Bilder, aber auch Inhalte und klare Worte. Mit fachübergreifender Denke, Redaktionsverantwortung und einem Blick für Zielgruppen. Generalist mit Special Interests (Fachjournalist), Kommunikationsexperte, Öffentlichkeitsarbeiter und Netzwerker.
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